Dieser Film hat mich lange vor dem Dreh beschäftigt und tut es noch immer.
Der 30-minütige Film Chaja, der heute beim abgedreht! Filmfestival läuft, erzählt die Geschichte von Chaja Balck: einer jungen jüdischen Frau aus Hamburg, die während des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurde.
Inspiriert von einem Stolperstein rückt der Film ein Einzelschicksal in den Fokus und will greifbar machen, was oft abstrakt bleibt: Dass hinter dem Holocaust Millionen individueller Leben stehen.
Für mich war die Arbeit an diesem Projekt sehr intensiv. Nicht erst während des Drehs, sondern schon in der Zeit davor. Dazu gehörte für mich auch die ehrliche Frage, ob ich diese Rolle als Nicht-Jüdin überhaupt annehmen sollte. Ich habe recherchiert und unterschiedliche Perspektiven gehört. Am Ende habe ich mich ganz bewusst dafür entschieden, weil ich dieses Thema für so wichtig halte und dieses Projekt gern mittragen wollte.
Hinzu kam die Frage, ob ein studentisches Projekt mit sehr begrenzten Mitteln einem so sensiblen Thema gerecht werden kann. Umso wichtiger war der enge Austausch mit Regie und Team. Die Ernsthaftigkeit, Offenheit und Sorgfalt, mit der alle Beteiligten gearbeitet haben, haben mir das Vertrauen gegeben, diesen Weg mitzugehen.
In meiner Vorbereitung habe ich mich intensiv mit ZeitzeugInnen, historischen Quellen und Filmen beschäftigt und viele Gespräche geführt, auch mit meiner wundervollen Schauspielkollegin Johanna Brandt. Besonders wichtig war mir, nicht etwas „nachzuspielen“, sondern mich einer Realität anzunähern, die sich letztlich nie ganz erfassen lässt. Als Schauspielerin bleibt in so einem Prozess vor allem die Aufgabe, mit größtmöglicher Sensibilität, Demut und Respekt zu arbeiten.
Ich glaube, Filme wie dieser sind nicht nur ein Blick in die Vergangenheit. Sie stellen auch Fragen an unsere Gegenwart. In einer Zeit, in der demokratische Werte unter Druck geraten und rechte Tendenzen wieder lauter werden, ist Erinnerung keine rein historische Übung. Sie ist eine Form von Wachsamkeit.
Erinnerungskultur bedeutet für mich deshalb nicht nur, zurückzublicken. Sie bedeutet auch, Verantwortung für das Heute zu übernehmen: hinzusehen, Haltung zu bewahren und nicht gleichgültig zu werden. Damit sich Geschichte nicht wiederholt.
Ich bin dankbar, Teil eines Films zu sein, der genau daran erinnert.